Noch müde fuhren wir zum Früh-Shopping in einen netten, lokalen Markt (Red Barn Market) und versorgten uns mit frischem Brot. In der Nacht hatten wir schon ein ansprechendes Kirchengebäude entdeckt und so liefen wir über die Straße, um zu sehen, was uns so erwarten würde. Wir wurden sehr freundlich empfangen und man bot uns an, uns drinnen ein Namensschild zu basteln. Zunächst fiel uns der hohe Altersdurchschnitt der Besucher auf. Als wir saßen, bemerkte Fenja etwas sehr Seltsames: Vorne an der Wand war ein Foto projeziert, auf dem eine stolze Katze neben einer Buddha-Figur saß! Wir waren doch tatsächlich in eine sonntägliche Versammlung einer buddhistisch-humanistisch-christlichen Gemeinschaft geraten, die allerlei religiöse Ansätze miteinander vermischt hat. Ja, in einigen wenigen Liedern kam auch der Name Jesus vor, aber während der kompletten Veranstaltung fiel kein Wort von Gott. Somit kann ich es im Nachhinein nicht als Gottesdienst bezeichnen. Es war vielmehr ein Ichdienst. Statt einer Predigt hielt eine Frau einen Vortrag über ihre zehntägige Meditation in einem Zen-Kloster. Ich konnte mich nicht begeistern lassen für den Gedanken, über zehn Tage mit keinem Wesen zu sprechen. Selbst Augenkontakt war untersagt! Soweit ich es verstanden habe, sollte durch die stattfindenden Meditationsübungen der Kopf frei werden von allem "Gedankenmüll". Nichts mehr denken. Einfach nur sein. Nein, das sprach mich auch nicht an. Wir fühlten uns wie in einem religiösen Basar, in dem man sich je nach Tageslaune aus verschiedenen Quellen versorgen konnte. Ich verhielt mich wie ein sturer Junge und blieb sitzen, als alle aufstanden, um ihre Ich-kann-gut-sein-wenn-ich-nur-will-Lieder zu singen. Die Texte waren wirr, aber alle sangen mit - selbst die unbegabtesten Gäste. Das beeindruckte mich dann doch. Selbst als die Leiterin eine Kindergeschichte vorlas (mit einer Katze als Hauptfigur), sangen alle an der passenden Stelle mit, um die fehlenden Kinderstimmen zu ersetzen. Alle lachten herzlich und hatten sichtlich Spaß. Außer wir. Ich vergrub mich demonstrativ uninteressiert in Fenjas Bibel (schließlich war's ein Sonntag Morgen...) und las eine Stelle, in dem der Autor vor falschen Göttern warnte - wie passend. Einige Verhaltensweisen der Masse erinnerten mich an Szenen aus dem Film "Wanderslust". An einer Stelle rieben sich alle ihre Hände als Zeichen von Zustimmung oder so. Wir waren ähnlich irritiert wie es mir in einigen katholischen Gottesdiensten ergeht, wenn ich mich am Ende als lebensunfähig halte, weil ich all die vielen kollektiven Rituale und Abläufe weder gekannt, verstanden noch zeitgerecht mitgemacht habe. Zum Ende der Versammlung standen nochmal alle auf, nahmen sich an die Hand und sangen zur meditativen Klaviermusik eines unmotivierten Jugendlichen, der von seinen eigenen Klängen einzuschlafen drohte. Das Lied ähnelte einem abschließenden Segenslied - mit dem Unterschied, dass man sich nicht Gottes Segen wünschte, sondern irgendwie gut drauf sein wollte, bis man sich in einer Woche wiedersieht. Der einzige weitere Kontakt mit den Mitgliedern bestand in einer ungeforderten Umarmung eines seeligen Paares hinter uns. Sie sagte noch "I hope you enjoyed it." und dann steuerten wir nach diesem finalen Schuss auf schnellstem Wege den Ausgang an.
Um unsere verstörten Gedanken wieder zu sortieren (ja, hinterher hatten wir mehr! Gedankenmüll im Kopf als vorher), gönnten wir uns später draußen in der Sonne einen Chai Latte und beobachteten dabei glückliche Kinder, wie sie sich in einem Wasserspiel vergnügten.
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| Pfau beim rückwärts Einparken |
Am Nachmittag beschlossen wir, unsere teuren Wanderrucksäcke ihre eigentliche Bestimmung leben zu lassen: Dem Tragen von Lasten, während wir wandern! Der Pfad führte über ca 40 Minuten von Starbucks bis zu einer Wäscherei. Immerhin... Den frühen Abend verbrachten wir im Beacon Hill Park, wo wir uns aufgrund des nicht gesichteten frei umherlaufenden Beacons ein einfaches Reisgericht zubereiteten. Anschließend tollten wir im Park zwischen den Bäumen aus aller Welt herum, spielten Verstecken und trafen einige Pfaue. Abends beschlossen wir dann, noch ein paar Kilometer zu reißen:In Duncan gab's einen Zwischenstop und im Dunkel fanden wir in Cowichan einen großen Parkplatz, auf dem wir uns weit hinten versteckten.
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| In Erinnerung an meine Großeltern Otto und Magdalene Kröger |



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