Donnerstag, 22. Mai 2014

Ab nach Cranbrook (12. und 13. Mai)

Platz ohne Ende
Giftshop
(Tobi) Wir nutzten am Montag den gut versteckten Platz für unseren ersten ordentlichen Minivan-Frühjahrsputz. Das Wetter spielte gut mit und die Matratze war dankbar für die frische Luft. Als diese Pflicht getan war, hielt uns dann auch nichts mehr im Krähennest und wir setzten unsere Reise gen Westen fort. Vorsicht beim Schließen der Schiebetür! Nächster Halt: Cranbrook. Eigentlich.






In Sparwood tauchte ein riesiger, knallgrüner Kipplaster auf. Wenn man es genau nimmt der weltgrößte Truck! :) Beeindruckende Maschine für eine der dreckigsten Formen der Energiegewinnung. Aber wir hatten bisher keine Wahl in dieser Region: Aus allen Steckdosen unserer angesteuerten Campingplätzen kommt rauchender Kohlestrom. Alvin hatte uns auf diesen Missstand hingewiesen, als wir versuchten, unsere kanadischen Verwandten damit zu beeindrucken, wie umweltbewusst wir nachts unser Auto warm hielten: Mit einer Elektroheizung anstatt den Motor die ganze Nacht laufen zu lassen. Aber wer hätte gedacht, dass der größte Truck der Welt ein Hybridfahrzeug mit vier integrierten Elektromotoren ist? Die Energie, mit der sie die vier Hinterräder antreiben, reicht, um bis zu 3200 Haushalte zu versorgen. Trotzdem lässt sich dieses Monster es sich nicht nehmen, fast 265 Liter Sprit pro Arbeitsstunde zu verbrauchen! Ist die Ladeklappe hochgefahren, erreicht der Truck die Höhe eines fünfköpfigen Teams von Elefanten-Artisten, die - wie auch immer - einen auf die Bremer Stadtmusikanten machen.
All-Wetter-Reifen
Als wir genug Fotos gemacht hatten, von diesem Gefährt, das sich jedes Kind als Quartettkarte wünscht, fuhren wir weiter und hielten erneut ungeplant. Dieses Mal waren wir beeindruckt von der Größe eines Blockhauses, das sich als großer, liebevoll gestalteter Geschenkeladen entpuppte. Unser Budget und die begrenzte Größe unseres Reisemobils zwangen uns, nach wirklich langem Gestöber nur ein Päckchen Hot Chocolate zu kaufen - die wir nach einem netten Gespräch mit der Verkäuferin dann auch noch geschenkt bekamen :) Kombiniert mit dem verbleibenden Baileys ein optimaler Abschluss des Abends. Aber bevor die Sonne unterging, passierte noch einiges...
Wir müssen hier noch einmal betonen, dass in British Columbia der Weg das Ziel ist! Selbst wer all die vielen Points of Interest auslässt und stumpf durchfährt, ist vom Anblick der Natur schon genug bedient für den Tag! Plant auf jeden Fall mehr Zeit ein, als euch logisch erscheint!
Große Klappe
Einige der oft auftauchenden Randerscheinungen sind so blaue Schilder mit Namen von Seen und freundlichen Richtungspfeilen. Einem dieser Schilder folgten wir dann auch - dem Weg zum Tie Lake. Dort war's so nett, dass wir ernsthaft überlegten, uns abends mit Vorsatz im Park einschließen zu lassen, um dort zu übernachten. Als die Parkwächter kamen, waren wir dann aber doch zu feige. Diese Angst sollte uns ein weiteres, kleines Abenteuer bescheren...

Straßenkunst
Beliebte Ecke
Eigentlich wollten wir einen anderen Lake ansteuern, um doch noch legal am Wasser zu campen. Irgendwo kamen wir aber vom Weg ab und fuhren in ein noch unbebautes Wohngebiet (das kanadische Fachwort dafür lautet Subdevision). Dieses Gebiet war luxuriös: Wir konnte auf einer frischen, glatten Straße mitten in die noch unberührte Natur fahren. Die Vögel gaben erstaunliche, noch nie zuvor gehörte Klänge von sich! Überall standen For Sale- Schilder. Als wir das Ende der Subdevision erreicht hatten, drehten wir auf dem großen Wendehammer um, um eins der unverkauften Grundstücke für eine Nachtzu besetzen. Wir fanden einen schönen Platz, waren dann aber doch zu ängstlich, dass uns vorbeifahrende Leute "erwischen" könnten. Also entschieden wir uns, auf eins der "wilderen", abgelegeneren Grundstücke zu fahren. Dort begann ein holpriger Feldweg und der Wald wurde dichter. Und dann stand er plötzlich da. Mächtig und riesig, von einer Anhöhe stolz auf uns herabschauend: Ein Wapiti-Bulle mit großem Geweih! Seine Frau war auch dabei. Wir erschraken uns angesicht seiner Größe und waren gleichzeitig begeistert, als wir vorsichtig an ihm vorbei fuhren. Unsere Entscheidung, bei der T-Kreuzung nach links zu fahren, führte uns direkt in eine Sackgasse. Erstmal Motor aus und warten. Im Rückspiegel sahen wir, dass wir für die beiden nach einer Weile uninteressant wurden und sie senkten wieder ihren Kopf, um gemütlich zu Abend zu grasen. Dann trotteten sie auch schon bald weiter ins wilde Dickicht. Dieser Platz war uns eindeutig ZU naturnah, also drehten wir um, zurück auf die asphaltierte Straße. Mitten im Wendehammer fühlten wir uns dann sicher genug. Auf der frischen Straße waren künstlerische Bremsspuren zu sehen, was uns zu der Annahme leitete, dass dies ein vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes Dreh- und Angelpunkt der örtlichen jungen Generation sein müsste. Wir malten uns schon aus, wie wir ungewollt in illegale Drogengeschäfte involviert würden und nachts träumte ich davon, dass am nächsten Morgen auf dem Wendehammer ein Musikfestival aufgebaut war und der Veranstalter mit mir verhandelte, damit wir uns nicht gegenseitig verpfeifen. Die Realität sah dann doch etwas unspektakulärer aus. Ab und zu kamen vereinzelt Autos angefahren, von denen wir nie wussten, ob es sich dabei um den Besitzer hielt, der uns verscheuchen wollte. Aber keiner ist ausgestiegen. Einige umkreisten uns einmal, andere drehten schon vorher um. Es scheint so, dass wir an diesem Abend erfolgreiche Partycrasher waren, bevor die Party überhaupt begonnen hat. Erinnert mich im Nachhinein an unsere
 Gorleben-Blockade, als die Arbeiter gleich den ganzen Tag frei bekommen hatten, weil unsere Ankündigung so bedrohlich klang. Nun ja, ich kochte uns noch ein nettes Abendessen und später schauten wir einen Gute-Nacht-Film. Ganz witzig war noch der nächtliche Auftritt eines Kojoten im Stimmbruch- So jedenfalls hat es sich angehört, als er ganz in der Nähe seine Heul-Übungen machte. Vielleicht war er auch ein enttäuschter Partygast..

Morgens steuerten wir ruhigere Gewässer an: Den Jim Smith Lake. Dort gab's lecker Frühstück am See. In Cranbrook dann meisterten wir heldenhaft die Aufgabe, das erste Mal im Leben einen Waschsalon zu nutzen.

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