(Tobi) Während Tobi weiter Geld verdient, zeigt Fenja ihrer Mama weitere Highlights der näheren Umgebung: Am Montag besuchten sie die Bibelschule und genossen die Essensreste aus der Küche. Am Dienstag gingen die beiden ins Eastlink Centre und genossen das heipe Dampfbad, während ich bei der Arbeit damit kämpfte, meine Finger am Leben zu halten :) Für Mittwoch hatten wir geplant, unsere große dreitägige Tor in den Jasper Nationalpark vorzubereiten. Auf dem Weg zur Arbeit betete ich für ein Wunder, dass ich einen kurzen Arbeitstag haben möge. Dies schien unmöglich, weil für den Tag das Abtragen von Asbestwänden an mehreren Motelräumen angesagt war - normalerweise bedeutet das Feierabend frühestens um 18 Uhr. Nun, Gott war sehr kreativ: Nach 45 Minuten Fahrt und einer Stunde Warten stellte sich bei einer halben Stunde "Mittagspause" im Schnellrestaurant heraus, dass wir an diesem Tag mit der Arbeit nicht beginnen konnten! Eine andere Firma hatte es nicht rechtzeitig geschafft, die benötigten Vortests in den Räumen durchzuführen. Und wie soll man einer Versicherung ohne entsprechende Nachweise erklären, dass ein Raum feucht und schimmelig war, nachdem man ihn komplett gereinigt hat? Und so fuhren wir die gleiche Strecke wieder zurück und ich konnte am frühen Nachmittag beginnen, unseren Van zu putzen und mit ausgefeilter Isoliertechnik gegen kalte Füße auszustatten.
Am Donnerstag fuhren wir um 7.30 Uhr los gen Süden. Und siehe da: Kurz nachdem wir Grande Prairie hinter uns gelassen hatten (Tim Hortons ist bei Gabi durchgefallen: Sie hatten ihr eine zu dünne Hot Chocolate verkauft...) begann die Landschaft, hügelig zu werden. Und plötzlich formten sich auf dem Highway immer mehr Kurven! Erstaunlich... Und dann kamen irgendwann hinter einer Bergkuppe die ersten Spitzen der Rocky Mountains zum Vorschein - was für ein Moment! Und diese Berge wurden immer größer, wir fuhren mitten hindurch. Die Landschaft ist herrlich, der Himmel so klar und weit! ...bis zwischen zwei Bergkuppen eine riesige Wolke auftauchte. Sie wurde immer größer und kam mit stetiger Geschwindigkeit aus einer bestimmten Richtung. Wir überlegten, ob es sich wirklich um eine natürliche Wolke zwischen den Bergen handelte oder die Quelle anderen Ursprungs war. Nach einigen Kilometern und Kurven kam die Auflösung: Die romantische Wolke war das sichtbare Zeichen der verschwendeten Primärenergie aus einem großen Kohlekraftwerk. Von nun an führte parallel zum Highway eine Eisenbahntrasse für die Kohlezüge entlang.
Unseren ersten Stop legten wir in Grande Cache ein, wo wir im Visitor Centre vom Maler aufgeklärt wurden, dass wegen Renovierungsarbeiten erst am nächsten Tag wieder geöffnet sei. An der Tanke nebenan deckten wir uns mit neuen Sonnenbrillen für Gabi und mich ein - sehr angebracht in dieser Schneepracht!
Die Shalagans hatten uns von einem tollen Bed and Breakfast Platz in der Nähe von Hinton erzählt. Etwas abgelegen, direkt am Athabraska River (hoffe, dass ichs richtig geschrieben habe) liegt die Pferdefarm mit mehreren Ferienhütten, Tippis und einem Platz zum Campen. Wir wurden von einer robusten Mary in Empfang genommen und lernten am Tag noch ihre Mitbewohnerin Cora, den Hund Sergant und ihren Ara kennen. Der Vogel war Gästen aus Edmonton zugeflogen und ist über diesen Weg nach Hinton gekommen. Das Office befindet sich in einem alten Bahnhofsgebäude. Unsere Hütte war gut ausgestattet: Bollerofen in der Küche und sogar ein Klavier stand im Wohnzimmer! Da passte der Flachbildfernseher nicht so richtig ins Ambiente.
Nach einem Nickerchen entschlossen wir uns, den Ausflug nach Jasper zu verschieben und uns erstmal das 5km entfernte Hinton anzusehen. Das Visitor Centre war voll mit Leuten, die sich bei Snacks und Bier lebhaft unterhielten. Wir kamen uns zunächst etwas fremd am Platz vor (na gut, waren wir ja auch...), wurden dann aber doch herzlich von zwei Leuten begrüßt. Als wir erzählten, dass wir aus der Nähe von Hamburg kamen, hatte der eine gleich eine tolle Story auf Lager: Als junger Mann bereiste er Deutschland und wurde in Hamburg als Obdachloser gehalten, was eine alte Dame dazu bewegte, ihm Essen, Bier und 20 Mark zu schenken. Eigentlich trank er kein Bier, obdachlos war er auch nicht. Und die 20 Mark haute er die nächsten drei Tage glücklich auf den Kopf.
Nach dieser Anekdote wurden wir eingeladen, uns reichlich am Menü zu bedienen, da sie die Reste loswerden müssten. So kam es, dass Gabi ihr erstes kanadisches Bier auf Kosten des Hauses inmitten von lauter Geschäftsleuten aus Hinton genießen konnte - sehr gastfreundlich die Kanadier!
Über Nacht konnten wir die Motorheizung nicht anschließen, weil an der Außensteckdose die Sicherung ständig rausflog. So konnten wir nur hoffen, dass das Auto am Freitag morgen noch warm genug sein würde, um wieder anzuspringen. Genau das Gegenteil war der Fall: Der Wagen gab keinen Ton von sich - Batterie total ausgelutscht. Mary war da ein großer Segen für uns. Sie besorgte uns ein stärkeres Kabel, schloss es an und.. das killte die Batterieheizung. Mit einem Blitz und einem Knall brannte die Heizdecke durch. Die Motorheizung lief aber noch und so entschieden wir uns, zunächst einmal einen Spaziergang am Fluss zu machen, bis der Motor wieder aufgewärmt würde: Es wurde ein herrlicher Spaziergang mit viel Sonne! Die Fotos erzählen mehr...
Wieder an der Cabin angekommen sprang das Auto an und wir machten uns auf nach Jasper City. Die Stadt ist schnuckelig und komplett auf Tourismus ausgelegt: Souvenirshops ohne Ende. Nach ausgiebigem Bummeln und einem kleinen Besuch im Visitor Centre ließen wir es uns in einem sehr besonderen Café gut gehen. An der Decke hingen märchenhafte Torten und Glubschi fand gleich einen Freund, der wohl das gleiche Zeug wie er konsumiert...
Auf dem Weg zurück zum Auto entdeckten wir Wapitis und waren als unerfahrene Touristen ganz aus dem Häuschen wie unbeirrt sie auf den Gleisen schlenderten, ohne sich selbst vom riesigen Güterzug beirren zu lassen! Zurück auf der Straße fuhren wir noch zum Medicine Lake. Plötzlich stand mitten auf der Rangeroad eine Elchkuh mit ihrem Kind. Das Junge wich schreckhaft aus, aber die Mama schleckte in aller Ruhe am leckeren Streusalz weiter. Wir konnten ganz dicht ranfahren und herrlich persönliche Bilder machen :) Die beiden haben wir auf dem Rückweg dann nochmal an der selben Stelle getroffen.
Es wurde ein langer Tag... Endlich zu Hause angekommen, steckte ich die Motorheizung an - woraufhin diese ebenso mit einem Knall und einem Blitz durchbrannte! Jawoll. Die Pommes, die wir für den Abend gekauft hatten, wurden nichts im Ofen, weil dieser versagte. Die Mikrowelle schien auch nicht zu funktionieren und so behalfen wir uns mit Pommes aus der Pfanne. Gar nicht so schlecht.
Als der Wagen am Samstag morgen dann ohne Probleme ansprang, stand sein Name fest: Wunder-Van! Bei einem Spaziergang auf dem Beaver Boardwalk in Hinton sah ich einen Schneehasen. Die Biber hatten Fieber - wahrscheinlich.
Auf dem Heimweg besuchten wir dann das Visitor Centre in Grande Cache und bestaunten die ausgestopften Wildtiere! Endlich kam die Gelegenheit zu einem Gruppenbild zu dritt.
Der Sonntag ging gemütlich zu: Während Fenja und ich den Gottesdienst genossen, bekam Gabi Besuch von Hanna. Nach einem deutschen Mittagessen von Gabi (Blumenkohl mit Kartoffelbrei) gab's später kanadisches Abendessen von Chelsea (Bohnenauflauf, ähm diese Brötchen.. und Elch! Gabi war begeistert vom Fleisch dieses Tieres, das Norwin erlegt hat).
Zwischendurch waren wir... genau, im Visitor Centre. Dieses Mal in Grande Prairie. Wir bestiegen den Aussichtsturm und kauften Souvenirs für Gabis Männer ein - freut euch schon drauf!
Was lernen wir aus dieser Woche? Die kanadischen Visitor Information Centres sind meist die schönsten und interessantesten Gebäude in einer Stadt - großes Lob an die Regierung von Alberta!
Wir haben uns gesegnet und beschützt gefühlt auf unseren langen Fahrten! Und liebe Leut, freut euch jetzt schon auf den nächsten Bericht - der wird es in sich haben ;)
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