Montag, 23. September 2013

09.09.13: Unser erster Arbeitstag



An diesem Morgen hieß es früh aufstehen und Brote schmieren: unser erster Tag bei WinMar stand an!
Um halb acht waren wir im Shop, und obwohl eigentlich erst um viertel vor acht losgeht, waren schon fast alle da. Der Manager kam rein und stellte uns vor. Danach wurden files an die einzelnen Arbeitsbereiche verteilt, auf denen die Aufgaben des Tages standen. Tobi würde mit Shawn, einem dicken, netten Mann den Tag verbringen und ich war bei den Mädels im Content.

Zuallererst mussten Tobi und ich einen Maskentest durchführen, wo wir lernten die Maske richtig aufzusetzen und hinterher zu säubern und abzukleben.
Dann gings für Tobi auf große Fahrt und ich musste rüber in ein anderes Gebäude, den Content Shop.
Von außen würde man nicht denken, dass überhaupt Leben in dem Laden sein würde, doch der Shop war voller riesiger Maschinen zum Säubern von Haushaltsgegenständen, die eine Flut, Feuer, Schimmel oder ähnliches mitgemacht haben. Es gab Räume, wo die Geruchszellen der Gegenstände aufgespalten wurden, sodass sie nicht mehr stanken, ein Trockenraum, riesige Waschmaschinen und Trockner, Waschbecken und unzählige Kartons mit noch schmutzigen und schon sauberen Sachen drin.
Als ich rein kam, wurde ich weder begrüßt, noch sprach sonst jemand mit mir. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Also schnappte ich mir ein Mädel, das nach ein bisschen Ahnung aussah (die anderen machten einen sehr gelangweilten, demotivierten Eindruck, außerdem waren sie alle sehr dick...(Sry)) und fragte sie aus. So ging das den ganzen Tag. Ich wusste nie was meine Aufgaben waren, den kleinsten Schritt musste ich nachfragen, ich bekam keine Einführung und nichts. Eine Antwort auf eine meiner Fragen hieß: „Na mach doch was hier rumliegt.“ Na toll... Und woher sollte ich wissen, welche dieser Gegenstände wie behandelt werden sollten, wie die Maschinen funktionieren, was wie beschriftet wird und hinkommt?
Auf meine Frage, ob es reguläre Pausen gibt, bekam ich die Antwort, ich könne mir das selbst einteilen und es sei egal, ob ich Mittags eine halbe oder ganze Stunde mache. Hä? Ich hab natürlich dann eine ganze Stunde Pause gemacht, um aus dem Saftladen rauszukommen.
Mann, war ich frustriert! Toller erster Tag!
Ich hatte sehr langweilige Aufgaben wie einen Werkzeugkasten wieder einsortieren, ein Auto ausräumen, saugen, Papier zum Trocknen an ein Gerüst hängen. Schon bald merkte ich den Staub... Ich hatte gehofft, dass es nicht dazu kommen würde.
Um 17 Uhr war Schluss, was mir auch erst jemand 2 Minuten später erzählte.


Tobi ging es weitaus besser. Er war mit Shawn in 2 Städten unterwegs, um zu renovieren.
Tobi schreibt: Es sind schon so viele verschiedene Sachen passiert bei meinem Job... dass ich wirklich nicht mehr weiß, was an meinem ersten Tag genau passiert ist. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mit Shawn bisher die beste Zeit hatte. Wir begannen unsere Arbeit mit einer langen Fahrt zum Kunden – viel Zeit zum nett Schnacken. Weil man hier in Kanada unglaublich schluderich Häuser baut, findet man in den Baumärkten allerlei Spezialwerkzeug für Gipskartonplatten-Wände. Dies ist das Material für alle Innenwände eines kanadischen Hauses. Von außen wird ein Holzgerüst mit Pressspanplatten zugeballert und ab und zu ein kleines Fensterloch gelassen. Dann das Ganze mit einem Holzimitat aus Hartplastik verkleiden und fertig ist das „Haus“. Wir haben uns in den ersten Tagen mit eben solchen Innenwänden beschäftigt. That's it.
Allerdings war Tobi erst um 19 Uhr fertig und hatte unseren Autoschlüssel. Ich wartete eine Stunde vorm Shop und wurde von mehreren Leuten angesprochen. Einer wollte mir Frühstück mitbringen, wenn ich am nächsten Morgen immernoch da gesessen hätte :D. Sehr nett das Völkchen.
Zufälligerweise kamen gerade Björn und Chelsea mit Ruths Schwester per Truck an mir vorbei. Ich erzählte von meinem Tag und sprang schnell rein. Ruths Schwester wollte ein bisschen Fahren üben und so wechselten sie und Björn auf der Range Road die Plätze und sie fuhr sich selbst nach Hause. War schon garnicht so schlecht ;)
Ich war so froh, dass Chelsea sich mit mir ein Hochzeitskleidermagazin während der Fahrt ansah – wie sauber und schön die alle aussahen!
Abends erzählten Tobi und ich uns gegenseitig und den anderen von unserem sehr unterschiedlichem Tag. Ich hatte beschlossen am Dienstag noch einmal hinzugehen und dann sehr wahrscheinlich zu kündigen. Mit einer Stauballergie ist die Arbeit nicht ganz so lustig.


Am Dienstag trafen wir Mitarbeiter und im Office, wo die Managerin Nichole leckeren Kuchen bereitgestellt hatte. Es wurden die Mitarbeiter, die am längsten dabei waren mit Thermosbechern mit ihrem Namen drauf geehrt.

Ich hatte schon am Montag die Ansage bekommen, dass wir Content Mädels heute unterwegs sein würden und ich sollte für mindestens 2 Tage packen.
Zu viert fuhren wir also mit zwei Autos ca. 3 Stunden nach High Prairie.
Dort hatte eine ältere Frau einen Rohrbruch und weitere Schäden im Keller gehabt. Als wir dort reinkamen, wurde der Weg durch eine Achtung-Asbest-Folie versperrt und wir mussten ab hier laut Gesetz Schutzanzüge und Masken tragen.



Unsere Aufgabe des Tages war es, alle Möbel aus dem Keller nach oben in die Garage zu schleppen, wo wir sie auf Paletten stapelten, die Jessica und ich aus der Nähe noch nachträglich geholt hatten.
Das war richtige Männerarbeit. Ich war davon ausgegangen, dass wir nur die „Haushaltsgegenstände“ wie Bilder, Bücher usw rausholen würden, und das taten wir zuerst auch, aber dann hieß es irgendwann: „Fenja, could you please help me carry the couch?“ Und Matrazen, Schränke, Betten... Im Keller war eine komplette 3-Zimmerwohnung eingerichtet.
Außerdem mussten wir jeden Gegenstand in eine Liste eintragen und die meisten in Tüten und Folien einpacken. Die nassen Gegenstände wurde noch mit einem Neutralreiniger behandelt. Ich weiß nicht genau, was das für ein Mittel war.
Jessica, die von allen am meisten motivert und lustig war, entschied, dass wir doch am selben Tag fertig sein würden und dass wir auf die Übernachtung verzichten könnten. Die Mädels waren heute im Vergleich zum Vortag etwas lockerer drauf. Eine von ihnen war sogar schwanger.
So waren wir gegen Abend völlig fertig, sowohl mit der Arbeit als auch mit den Nerven. Wir hatten Vorher-Nachher Bilder geschossen.
Gegen halb 9 waren wir wieder in Sexsmith und ich rief Hanna an, sie sollte mich abholen.
Meine Meinung stand fest: Ich wollte kündigen. Auch wenn ich die Firma an sich sehr mochte. Die anderen, mit denen Tobi arbeitete, waren auch echt coole Leute! Es war nur nix für mich.


So kam der Mittwoch und ich ging ohne WinMar T-Shirt zur Arbeit. Ich brachte Tobi zum Shop und fuhr selbst weiter zum Office, um mit dem Manager zu reden. Nichole, mit der ich gerne geredet hätte, war leider nicht da, aber der andere Manager war auch sehr nett.
Ich erzählte ihm meine Geschichte und er war sehr verständnisvoll und freundlich und meinte, dass ich trotzdem sehr willkommen bin, wenn ich mal reinschaue oder Tobi abhole.

Das war geschafft! Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen Bammel vor der Kündigung hatte.
So bin ich wieder arbeitssuchend ;)

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