09.09.13: Unser erster Arbeitstag
An diesem Morgen hieß es früh
aufstehen und Brote schmieren: unser erster Tag bei WinMar stand an!
Um halb acht waren wir im Shop, und
obwohl eigentlich erst um viertel vor acht losgeht, waren schon fast
alle da. Der Manager kam rein und stellte uns vor. Danach wurden
files an die einzelnen Arbeitsbereiche verteilt, auf denen die
Aufgaben des Tages standen. Tobi würde mit Shawn, einem dicken,
netten Mann den Tag verbringen und ich war bei den Mädels im
Content.
Zuallererst mussten Tobi und ich einen
Maskentest durchführen, wo wir lernten die Maske richtig aufzusetzen
und hinterher zu säubern und abzukleben.
Dann gings für Tobi auf große Fahrt
und ich musste rüber in ein anderes Gebäude, den Content Shop.
Von außen würde man nicht denken,
dass überhaupt Leben in dem Laden sein würde, doch der Shop war
voller riesiger Maschinen zum Säubern von Haushaltsgegenständen,
die eine Flut, Feuer, Schimmel oder ähnliches mitgemacht haben. Es
gab Räume, wo die Geruchszellen der Gegenstände aufgespalten
wurden, sodass sie nicht mehr stanken, ein Trockenraum, riesige
Waschmaschinen und Trockner, Waschbecken und unzählige Kartons mit
noch schmutzigen und schon sauberen Sachen drin.
Als ich rein kam, wurde ich weder
begrüßt, noch sprach sonst jemand mit mir. Ich wusste nicht was ich
machen sollte. Also schnappte ich mir ein Mädel, das nach ein
bisschen Ahnung aussah (die anderen machten einen sehr gelangweilten,
demotivierten Eindruck, außerdem waren sie alle sehr dick...(Sry))
und fragte sie aus. So ging das den ganzen Tag. Ich wusste nie was
meine Aufgaben waren, den kleinsten Schritt musste ich nachfragen,
ich bekam keine Einführung und nichts. Eine Antwort auf eine meiner
Fragen hieß: „Na mach doch was hier rumliegt.“ Na toll... Und
woher sollte ich wissen, welche dieser Gegenstände wie behandelt
werden sollten, wie die Maschinen funktionieren, was wie beschriftet
wird und hinkommt?
Auf meine Frage, ob es reguläre Pausen
gibt, bekam ich die Antwort, ich könne mir das selbst einteilen und
es sei egal, ob ich Mittags eine halbe oder ganze Stunde mache. Hä?
Ich hab natürlich dann eine ganze Stunde Pause gemacht, um aus dem
Saftladen rauszukommen.
Mann, war ich frustriert! Toller erster
Tag!
Ich hatte sehr langweilige Aufgaben wie
einen Werkzeugkasten wieder einsortieren, ein Auto ausräumen,
saugen, Papier zum Trocknen an ein Gerüst hängen. Schon bald merkte
ich den Staub... Ich hatte gehofft, dass es nicht dazu kommen würde.
Um 17 Uhr war Schluss, was mir auch
erst jemand 2 Minuten später erzählte.

Tobi ging es weitaus besser. Er war mit
Shawn in 2 Städten unterwegs, um zu renovieren.
Tobi schreibt: Es sind schon so viele
verschiedene Sachen passiert bei meinem Job... dass ich wirklich
nicht mehr weiß, was an meinem ersten Tag genau passiert ist.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mit Shawn bisher die beste
Zeit hatte. Wir begannen unsere Arbeit mit einer langen Fahrt zum
Kunden – viel Zeit zum nett Schnacken. Weil man hier in Kanada
unglaublich schluderich Häuser baut, findet man in den Baumärkten
allerlei Spezialwerkzeug für Gipskartonplatten-Wände. Dies ist das
Material für alle Innenwände eines kanadischen Hauses. Von außen
wird ein Holzgerüst mit Pressspanplatten zugeballert und ab und zu
ein kleines Fensterloch gelassen. Dann das Ganze mit einem Holzimitat
aus Hartplastik verkleiden und fertig ist das „Haus“. Wir haben
uns in den ersten Tagen mit eben solchen Innenwänden beschäftigt.
That's it.
Allerdings war Tobi erst um 19 Uhr
fertig und hatte unseren Autoschlüssel. Ich wartete eine Stunde vorm
Shop und wurde von mehreren Leuten angesprochen. Einer wollte mir
Frühstück mitbringen, wenn ich am nächsten Morgen immernoch da
gesessen hätte :D. Sehr nett das Völkchen.
Zufälligerweise kamen gerade Björn
und Chelsea mit Ruths Schwester per Truck an mir vorbei. Ich erzählte
von meinem Tag und sprang schnell rein. Ruths Schwester wollte ein
bisschen Fahren üben und so wechselten sie und Björn auf der Range
Road die Plätze und sie fuhr sich selbst nach Hause. War schon
garnicht so schlecht ;)
Ich war so froh, dass Chelsea sich mit
mir ein Hochzeitskleidermagazin während der Fahrt ansah – wie
sauber und schön die alle aussahen!
Abends erzählten Tobi und ich uns
gegenseitig und den anderen von unserem sehr unterschiedlichem Tag.
Ich hatte beschlossen am Dienstag noch einmal hinzugehen und dann
sehr wahrscheinlich zu kündigen. Mit einer Stauballergie ist die
Arbeit nicht ganz so lustig.
Am Dienstag trafen wir Mitarbeiter und
im Office, wo die Managerin Nichole leckeren Kuchen bereitgestellt
hatte. Es wurden die Mitarbeiter, die am längsten dabei waren mit
Thermosbechern mit ihrem Namen drauf geehrt.
Ich hatte schon am Montag die Ansage
bekommen, dass wir Content Mädels heute unterwegs sein würden und
ich sollte für mindestens 2 Tage packen.
Zu viert fuhren wir also mit zwei Autos
ca. 3 Stunden nach High Prairie.
Dort hatte eine ältere Frau einen
Rohrbruch und weitere Schäden im Keller gehabt. Als wir dort
reinkamen, wurde der Weg durch eine Achtung-Asbest-Folie versperrt
und wir mussten ab hier laut Gesetz Schutzanzüge und Masken tragen.
Unsere Aufgabe des Tages war es, alle
Möbel aus dem Keller nach oben in die Garage zu schleppen, wo wir
sie auf Paletten stapelten, die Jessica und ich aus der Nähe noch
nachträglich geholt hatten.
Das war richtige Männerarbeit. Ich war
davon ausgegangen, dass wir nur die „Haushaltsgegenstände“ wie
Bilder, Bücher usw rausholen würden, und das taten wir zuerst auch,
aber dann hieß es irgendwann: „Fenja, could you please help me
carry the couch?“ Und Matrazen, Schränke, Betten... Im Keller war
eine komplette 3-Zimmerwohnung eingerichtet.
Außerdem mussten wir jeden Gegenstand
in eine Liste eintragen und die meisten in Tüten und Folien
einpacken. Die nassen Gegenstände wurde noch mit einem
Neutralreiniger behandelt. Ich weiß nicht genau, was das für ein
Mittel war.
Jessica, die von allen am meisten
motivert und lustig war, entschied, dass wir doch am selben Tag
fertig sein würden und dass wir auf die Übernachtung verzichten
könnten. Die Mädels waren heute im Vergleich zum Vortag etwas
lockerer drauf. Eine von ihnen war sogar schwanger.
So waren wir gegen Abend völlig
fertig, sowohl mit der Arbeit als auch mit den Nerven. Wir hatten
Vorher-Nachher Bilder geschossen.
Gegen halb 9 waren wir wieder in
Sexsmith und ich rief Hanna an, sie sollte mich abholen.
Meine Meinung stand fest: Ich wollte
kündigen. Auch wenn ich die Firma an sich sehr mochte. Die anderen,
mit denen Tobi arbeitete, waren auch echt coole Leute! Es war nur nix
für mich.
So kam der Mittwoch und ich ging ohne
WinMar T-Shirt zur Arbeit. Ich brachte Tobi zum Shop und fuhr selbst
weiter zum Office, um mit dem Manager zu reden. Nichole, mit der ich
gerne geredet hätte, war leider nicht da, aber der andere Manager
war auch sehr nett.
Ich erzählte ihm meine Geschichte und
er war sehr verständnisvoll und freundlich und meinte, dass ich
trotzdem sehr willkommen bin, wenn ich mal reinschaue oder Tobi
abhole.
Das war geschafft! Ich muss zugeben,
dass ich ein bisschen Bammel vor der Kündigung hatte.So bin ich wieder arbeitssuchend ;)
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