Fenja schreibt:
Also,
um nochmal zum eigentlichen Anfang der Geschichte zurückzukommen: Gegen
2 oder 3 Uhr nachts schliefen wir endlich im Gästezimmer von Susi ein.
Ganze 3 Stunden und 10 Minuten. Das Aufstehen war ein schwerer Akt, doch
um halb sechs hatten wir es geschafft mit gepackten Rucksäcken an der
Straße zu stehen und auf Martin zu warten. Ich hatte Angst, dass die
Cyclassics uns einen Strich durch die Rechnung machen würden, weil ich
Schilder gesehen hatte, auf denen Straßensperrungen von 6-14 Uhr
angekündigt wurden.Martin kam um Punkt 6. Alles ging gut.Die
Fahrt nach Frankfurt verlief ziemlich flüssig mit einem längeren
Zwischenstop, wo wir uns ein MicroUSB-Kfz-Ladekabel kauften, in der
Hoffnung, er würde in unserem späteren Minivan funktionieren.Nach 4 Stunden erreichten wir den Frankfurter Flughafen und waren fasziniert von seiner Größe!Mir war schon den ganzen Tag schlecht vor Schlafmangel und Aufregung und da trug dieser Anblick nicht gerade zur Besserung bei. Der
Terminal 2 war voller Menschen unterschiedlichster Herkunft. Von der
vollmermumten Muslima bis zum Beachboy. Lange Schlangen reichten von
einem Ende der Halle bis zur nächsten. Wir erreichten den Air Transat
Schalter und waren sehr freudig überrascht, dass wir nur zwei Personen
vor uns hatten. Ein netter farbiger Beamter namens Dominic half uns bei
der Orientierung. Martin machte ein Foto von ihm mit uns und fragte ihn
später nach seiner Adresse, um im das Bild zuschicken zu können. Er ist
gebürtiger Kenianer und lebt zurzeit in Darmstadt.Wir verpackten unsere Wanderrucksäcke in stabile blaue Mülltüten und zurrten sie mit roten Kofferbändern fest und ab ging die Post!Christa
und Detlef hatten uns ziemlich schnell gefunden und aßen sehr leckere
Pizzen mit uns, während wir einen tollen Blick auf die Landebahnen
genießen konnten.Um
14.10 Uhr mussten wir beim Check-In sein. Hier war die Schlange schon
etwas länger. Die allerletzte Verabschiedung stand an und winkend gingen
wir in den zollfreien Bereich. Wir vermieden die Läden und gingen
gleich weiter durch zur Handgepäckkontrolle. Das war genau richtig, denn
als wir durch waren, sollten wir schon sofort einsteigen.Wir
hatten sehr viel Glück mit unseren Plätzen. Die Beamtin am Check-In
hatte sich Tobi nur 2 Sekunden angesehen und gleich entschieden, dass
wir den Notausgangplatz bekommen sollten, wo viel Beinfreiheit war.Tobi links, ich in der Mitte und auf meiner Rechten Moulay. Moulay
war Marokkaner, der seit ca. 10 Jahren arbeitsbedingt
(Software-Entwickler) in Calgary wohnt. Wir unterhielten uns sehr viel
und sehr nett mit ihm und bemerkten, dass unser Englisch garnicht so
schlecht ist, wie wir dachten. Es ging uns ziemlich leicht über die
Lippen. Dazu muss man sagen, dass das kanadische Englisch wirklich das
beste ist. Nicht zu schnell und sehr deutlich.wieder
raus und rein. Ihre Mutter kam irgendwann dazu und setzte sich geduldig
auf den Boden, um ihr für ihr Spiel alle Zeit der Welt zu lassen. Die
14-monatige war unermüdlich, bis ihre Mutter sie irgendwann küssend
zurück zu ihrem Platz nahm.Gegen
Halbzeit kam ein kleines Mädchen den Gang entlang und stoppte bei
Moulay. Wir hatten rechts und links von uns Klettbänder, die
verhinderten, dass andere Flugzeuggäste unsere Beinfreiheit als Gang
missbrauchen könnten. Mit denen find die kleine Elina an zu spielen und
konnte sich garnicht mehr davon loslösen. Immer wieder löste sie die
Bänder und klebte sie dann wieder fest und jedes Mal bekam sie Applaus
von uns. Dann entdeckte sie Moulays ausklappbaren Tisch in seiner
Armlehne und zog ihn immer Ich
konnte meinen Sitz nicht nach hinten lehnen, weil hinter mir eine Frau
die ganze Zeit nach vorn gebeugt las, so war es schwierig einzuschlafen,
obwohl ich das echt gebraucht hätte.Eine halbe Stunde vor Ankunft schlummerte ich leicht ein und war unglaublich müde, als wir ausstiegen. Der erste Eindruck von Calgary: Cowboys! Everywhere!Der Flughafen sah sehr altmodisch, aber gemütlich aus und es war ganz schön leer.Jetzt wurde es ernst. Die Visabeantragung!Wir mussten in die Immigration Abteilung und wurden je einem Officer zugewiesen.Ich
muss sagen, dass uns schon im Flugzeug die Freundlichkeit und Offenheit
der Kanadier aufgefallen ist, aber diese Herren waren schroff. Ich war
sehr aufgeregt und wohl nicht schnell genug mit meinen Antworten. Die
Begrüßung lautete: ¨Study or work?¨. Er wiederholte die Frage 1 Sekunden
später mit barschem Unterton und ich antwortete: ¨Work.¨ Das war außer
ein ¨Bye¨ das einzige, was ich sagen musste. Der Officer brauchte nur
meinen Reisepass, druckte mir meine Arbeitserlaubnis aus, klebte sie ein
und schon konnte ich gehen.Ich
hatte mit tausend Fragen gerechnet, Versicherungsnachweisen,
Kontoauszügen, Adressen und vor allem mit dem POE, der
Visumsbestätigung, deren Nachweis laut Internet am wichtigsten war.Mit Herzklopfen ging ich nach draußen zum Kofferfließband, wo Tobi schon auf mich wartete. Wir
sind irgendwie aneinander vorbeigelaufen, jedenfalls wartetet ich
einige Minuten auf ihn und hatte Angst, dass er durchlöchert und
eingekerkert wird, weil er so lange brauchte. Doch dann stand er da,
hatte auch noch die Aufregung in den Augen und war genausoschnell
vorangekommen wie ich. Ich glaube, diese Officer hatten keine Lust auf
Backpackers und wollten ihren Job nur schnell hinter sich bringen.Wir
packten unsere verdächtigen Müllsack-Rucksäcke auf einen Kofferwagen
und ein Spürhund-Beatle schnupperte daran. Tja, unauffällig.Wir ließen uns Zeit und verließen als Letzte das Flughafengebäude.Ich
hatte vor 2 Tagen im Internet ein Bed&Breakfast Hotel gebucht,
allerdings sahen die Entfernungen auf der Karte viel geringer als in
echt aus. Ein Taxifahrer wollte uns für 50$ hinfahren, das war uns aber
zu viel Geld. Wir gingen zurück ins
Gebäude an vielen Cowboygestalten vorbei und fragten an der Information
nach einem Bus. Die junge Frau ließ sich alle Zeit der Welt um nach der
besten Verbindung zu gucken, sprach zwischendurch mit ihrer Kolleging
und druckte uns schließlich eine GoogleMaps Route aus. Auf einer Karte
erklärte sie uns, dass wir bei Mac's Tickets für 8,50$ kaufen sollten
und dann in den Bus 300 einsteigen sollten. Wir mussten Downtown
aussteigen und dann den Bus 1 nehmen, den wir zwischen den riesigen
Wolkenkratzern nicht sofort fanden. Die Kanadier haben ein sehr
quadratisches System für ihre Infrastruktur. Alle Straßen sind
nummeriert, statt mit Straßennamen versehen, was uns bei der
Orientierung nahm. Wir brauchten keine Leute um Hilfe fragen, da wir
selbst von allen Seiten angesprochen wurden. Ein sehr nettes Völkchen
hier! Wir fühlten uns sehr willkommen.Das änderte aber leider auch nichts an unserer Müdigkeit und mir war schon wieder schlecht.Ab
der letzten Haltestelle mussten wir aussteigen und den Rest laufen.
Unterwegs trafen wir einen Typen von der Bushaltestelle wieder. Ich
konnte nicht mehr... Wir fragten uns durch, bis wir endlich unser
kleines Hotel erreichten. Es lag mitten in einer dichten Wohnsiedlung
und fiel überhaupt nicht auf zwischen den gleich aussehenden
Holzhäusern. So verpassten wir es zuerst und mussten zurücklaufen. Ein
kleines Schild ließ uns aufatmen: Along River Ridge Bed&Breakfast. Ein
altes Ehepaar (waren früher bestimmt Rocker gewesen) öffneten uns die
Tür und hießen uns sehr liebevoll willkommen. Es sah so aus, als ob sie
uns schon erwartet hatten, obwohl sie garnicht unsere Namen wissen
wollten oder ähnliches. Sie zeigten uns nur kurz das Wohnzimmer, das
fast im Kitsch versank, es war ziemlich vollgestellt mit Sofa,
Fernseher, Billardtisch, Bücherregale, kleine Küchenzeile,
unendlich viel Deko und das verrückteste: Mitten im Raum ein Whirlpool!
Es war gegen 20 oder 21 Uhr (nach deutscher Zeit früh am Morgen), aber
es war noch hell genug, um nach draußen sehen zu können. Eine große
Fensterfront zeigte den kleinen Garten und direkt dahinter einen
riesigen Fluss. Es war so wunderschön und wir fühlten uns pudelwohl. Und
unsere Housekeepers waren sehr herzlich.In
unserem Zimmer stand ein riesiges mit Verschnörkelungen dekoriertes
Bett mit tausend Kissen. Es sah alles sehr amerikanisch und urig aus.
Ein kleiner Vorhang führte zum Bad mit Badewanne. Comfortable! Cosy! Das
Zimmer hatte alles was man braucht, über Bademantel bis Schokolade.
What an arriving! Die Matraze war mindestens doppelt so dick wie die von
der Prinzessin auf der Erbse und ohne Erbsen wunderbar gemütlich. Dank
Adapter hatte auch der Laptop seinen Schlafplatz.Sodenn: Good night! Fazit des Tages: So viele Gebetserhörungen an einem Tag! God is great!
Sorry für die schlechte Darstellung... wir beheben das vielleicht noch :)
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