Montag, 10. März 2014

KW 10 - Alles bleibt anders!

Wohnst Du noch?

Diese Woche hatte es in sich: Wir mussten eine ziemlich sture Elchkuh vom Gleis holen. Es ging um unsere Wohnung in Deutschland, die wir immer noch mieten. Um nach Kanada erstmal wieder dorthin zurückzukehren, hatten wir uns für die Übergangszeit Untermieter gesucht. Guter Plan - eigentlich :) Es hatten sich nur in den letzten Wochen zwei Dinge entwickelt, die alles durcheinander brachten: Unsere Untermieter fühlen sich überraschend wohl in Asendorf. Alle im Haus sind zufrieden mit ihnen, die Miete ist günstig und somit machten sie die Ansage, dass sie gerne so lange in der Wohnung bleiben würden, bis sie sich ihr eigenes Haus bauen. Das klang sehr gut für meinen Vermieter, der hier von Kanada aus sein Haus belegt halten muss. Nur für uns beide klang das doof: Wir hatten doch so einen ausgeklügelten Plan und es gab schwerwiegende Gründe, warum wir uns gezwungen sahen, wieder zurück zu ziehen. Unsere Ansage, dass wir dann aber nur drei Monate dort bleiben wollten, um dann in eine Studentenstadt zu ziehen, machte die Lage noch angespannter! Mitte der Woche lösten sich dann unsere Argumente aber alle innerhalb von zwei Tagen in Luft auf und nun haben wir die Chance, übergangsweise in einem sehr gemütlichen Haus bei sehr nahen Verwandten ;) in Hanstedt unterzukommen. Wir freuen uns schon auf den kellerlosen Sommer im Garten bei den Fröschen!

Van-tastisch!

Wir haben ein neues Hobby: Strafzettel sammeln. Dieses Mal stand unser Van wir zwar auf der richtigen Straßenseite, nur war uns nicht bewusst, dass in Alberta kein Auto länger als 72 Stunden am gleichen Fleck stehen darf, sofern es sich nicht auf Privatgelände befindet. Warum wir drei Tage kein Auto gefahren sind: Nun ja, die Kombination aus -35 Grad Außentemperatur und einer defekten Motorheizung legte den Wagen lahm - da half selbst die brandneue Batterie nicht mehr. Zum Wochenende ist es richtig frühlingshaft warm geworden (über Null!) und die Sonne scheint herrlich aus dem wunderschön klaren Wolkenhimmel! Manchmal wünsche ich mir, alles unterhalb des Horizonts wegzudenken. Dann könnte ich wirklich sagen, dass wir hier in einer wunderschönen Ecke wohnen ;)
Der Van springt wieder an, und bis zur nächsten Kälteperiode werden wir das wohl mit dem BlockHeater hinbekommen haben. Meine neue Herausforderung ist das Kühlwasser! Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, ist mir etwas peinlich.. Dem Van wäre fast das Blut in den Adern gefroren - mit irreperablen Schäden. Hatte mit Bauchschmerzen schon heute morgen nach einem Ersatzwagen Ausschau gehalten. Im Moment siehts aber ganz gut aus.

Up 'n Swutsch...

Am Donnerstag ging es mit Freunden nach Grande Prairie zum Duelling Piano Abend. Und das geht so: Zwei Männers sitzen an ihren E-Flügeln, um sich herum Drum-Machine und Effektgeräte. Das Publikum schreibt Liedwünsche auf kleine Zettel und packt noch Scheinchen dazu, um die Chance zu erhöhen, dass die beiden Jungs die Titel spielen. Sie hatten echt ne Menge auf Abruf drauf, auch wenn uns die ersten Lieder völlig unbekannt waren. Die Stimmung wurde immer besser und bei einem Song fragten sie uns, wer den Pfeifpart dieses einen Liedes drauf hat (mir fällt der Titel grad nicht mehr ein...) Ich meldete mich und landete endlich mal wieder auf ner Bühne :) Es gab etwas Verwirrung, weil ich's nicht checkte, dass ich pfeifen sollte. Stattdessen sang ich die Melodie in langgezogenen Aaahs. Alle waren sehr gnädig zu mir und meinten "Good Job!" Kurz darauf landete ein zusätzliches Glas Eistee an meinen Platz - die Belohnung für meinen Mut. Es traten noch wunderbare Menschen auf, die jeden Song mit ausdrucksstarken Gesten mitsingen konnten. Als wir müde, glücklich und gut gefüllt mit massig Eistee bezahlen wollten, winkte die Kellnerin lächelnd ab: "It's just Icetea." Die anderen Gäste hätten schon genug Alkohol getrunken, um unsere Getränke auszugleichen. Sehr nettes Volk!

...und auf'm Markt

Einen schon längeren fälligen Pflichttermin erledigten wir am Freitag: Der Besuch des Farmers Market in Grande Prairie. Es ist eine Art Mischung aus Wochenmarkt und Herbstmarkt, platziert in einer rustikal gestalteten Halle. Am seltsamsten waren die Stände mit den selbstgemachten Backwaren, die in Plastikschachteln eingepackt aussahen wie direkt aus dem Supermarkt abgeholt. Wirklich nett hingegen war es, einmal wieder unverpackte Nahrungsmittel vom Acker zu sehen! Wir erwarben uns eine Teekugel, um die bei der Weihnachtsfeier gewonnenen Teesorten auszuprobieren.

Aussichten

Als ich bei Winmar mit der Arbeit anfing, gab ich an, ungefähr ein halbes Jahr dort arbeiten zu wollen. Wären wir nach dem damaligen Plan schon im Februar losgefahren zum Roadtrip, hätte ich sogar schon innerhalb von weniger als sechs Monaten meine Arbeit beendet. Unsere Freunde haben uns dann aber doch sehr schnell überzeugt, dass es wenig Spaß macht, im kanadischen Winter bei Glätte, Schneesturm und eventuell gesperrten Highways mit einer nicht geländegängigen Familienkutsche loszudüsen und im Van bei bis zu -42 Grad zu übernachten. Somit sind wir immer noch hier und hoffen auf schneefreie Straßen zum Mai. Nur bei Winmar haben die sich das mit dem halben Jahr sehr gut gemerkt. Und so bekam ich einen Brief, in dem sie mich daran erinnerten, dass mein Arbeitsvertrag zum 7. März auslaufen würde. Ich war überrascht und etwas panisch. Nach ein paar Tagen Beratung in der Führungsebene wurde mir dann ein neuer Vertrag vom 8. März bis 25. April unterbreitet. Er bietet meinen Arbeitgebern die Chance, mir im schlimmsten Fall überhaupt keine Arbeit mehr anzubieten. Wenn sie mich brauchen, rufen sie mich an - aber eben nur dann! Ein komisches Gefühl, abends nicht zu wissen, ob man am nächsten Morgen zur Arbeit geht oder nicht.
Das macht es für uns sehr spannend und wir wissen erstmal nicht, wie wir unsere Sparpläne weiter umsetzen können. Aber weniger verpflichtende Arbeit bedeutet mehr Zeit, um seinen Freunden zu schreiben, um mehr mit seinen Freunden zu telefonieren oder um seinen Freunden wieder beim Renovieren des Kellers zu helfen :) In der Hinsicht war's mal wieder gutes Timing von Gott!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen